Diese Bilder sind keine Fotos. Sie sind KI-generiert. Die Porträts entstanden Anfang 2024, aus Neugierde und Experimentierfreude. Die Bierbauch-Variante (lustig!) ist ebenso Fake wie der Heroin-Chic mit Tattoos. Aber was passiert mit Wahrnehmung und Vertrauen, wenn Wirklichkeit so einfach zu fälschen ist? (nicht lustig!)

Diese kleine Visualisierung meiner beruflichen Vita ist der Beweis, was KI-Tools mittlerweile leisten (Dezember 2025): Aus meinem LinkedIn-Profil hat das Tool eine ansprechende Infografik gemacht, eine richtige Journey, viel plakativer als ein formaler Lebenslauf. Die Typo lässt allerdings noch einiges zu wünschen übrig - und man merkt auch, dass die KI nicht "versteht", was sie da isometrisch visualisiert. Mehr über meine beruflichen Stationen findest du auf meinem LinkedIn-Profil.

Schwer zu übersehen: Ich liebe Abenteuer. Oder vielleicht formuliere ich es eher so: Wahrscheinlich kann ich mit den Ängsten und Unsicherheiten des Lebens besser umgehen als viele andere Menschen (das heißt nicht, dass es deswegen einfacher ist). Bekanntlich besteht das Wesen des Abenteuers darin, dass sein Ausgang ungewiss ist. Es kann schief gehen. "Courage is knowing it might hurt and doing it anyway. Stupidity is the same. That's why life is hard." Genau darin liegt ja der Reiz: In der Ungewissheit steckt immer auch diese wilde, großartige Freiheit, die in viele Richtungen offen, in der vieles möglich ist. Aber aushalten musst du sie können: Freiheit hat einen Preis, du bezahlst mit Angst. Warum lernen wir nicht bereits in der Schule, wie man mit Ängsten richtig umgeht? Abenteuer stehen synonym für Freiheit und intensives Leben. Das ist das Gegenteil der typisch deutschen Fehlervermeidungs- und Angstkultur. "Es geht nicht darum, wie viele Jahre du gelebt hast", sagt der Weltklasse-Kletterer und Alpin-Star Alexander Huber, "sondern darum, wie du diese Jahre mit Leben gefüllt hast".


Life is absurd, but you can fill it with ideas, enthusiasm and joy


Auch wenn du 60 bist, kannst du immer noch krassen Scheiß machen. Mit 60 bist du im dritten Drittel deines Lebens angekommen, let's face it, Digger! Die Spielräume werden kleiner, die Ziele verändern sich. Der Kampf gegen die Uhr zum Beispiel: Es geht nicht mehr um Sekunden, sondern um gute Jahre. "Gut" ist nicht hedonistisch gedacht, sondern eine Verkürzung der schwierigsten Frage der Philosophie "Was ist ein gutes Leben?" Eine der erstaunlichsten Erkenntnisse für ein gutes Leben besteht darin, dass im Machen viel Zufriedenheit steckt. Garantien gibt es keine, auch mit 60 wirst du nicht automatisch weise. Das Leben bleibt ein Geschenk, Gesundheit auch. Es geht weiter um Klarheit. Um Erleuchtung. Yoda werden du noch kannst.


Der Mythologe und Publizist Joseph Campbell (der auch den literarischen Begriff der "Heldenreise" geprägt hat) sagte einmal, Menschen suchten gar nicht nach dem Sinn des Lebens. Sondern nach Lebendigkeit. Das ist, im Hinblick auf das Wesen des Abenteuers, ein interessanter Gedanke. Nie habe ich mich lebendiger gefühlt als in Situationen, die auch hätten schief gehen können. Von Glück sprach Campbell interessanterweise nicht. Ein "gutes Leben" ist für mich auch etwas anderes als dieser ständige Glücksstress, der ja vor allem aus dem Delta zwischen Erwartungshaltung und erlebter Realität entsteht - und der Tatsache, dass dieses verdammte Glück sich eben partout nicht erzwingen lässt. Das Leben ist ein Auf und Ab, das ständige Glückgefasel lenkt vollkommen davon ab, dass alles zwei Seiten hat und es ok ist, wenn das Leben sich auch mal eine Zeit lang scheiße anfühlt. Und wieder: Aber aushalten musst Du's gelernt haben, vor allem dich selber. Ein "gutes Leben" sind für mich auch viele kleine Details. Die Kunst besteht darin, Gewöhnliches nicht zu übersehen, sondern überhaupt erst als gutes Detail wahrzunehmen. "Nicht die Dinge sind das Problem, sondern unsere Sicht darauf".


Dazu gehören eine Menge kleiner Details, die schlicht getan werden müssen: Dinge reparieren, pflegen, renovieren. Die Fahrräder der Familie, den Liegestuhl, das Navi im Auto, das Blechdach der Garage, das Zimmer für Tim, die Klospülung, den Garten, Bäume schneiden, Rasen mähen, die Regenrinne putzen, den Gehweg fegen. Ein paar Impressionen gibt es hier in der Rubrik MAKE. Dinge, an die ich mich an den schlechten Tagen erinnern kann, und die viel leichter zu bekommen sind als die ganz großen Erlebnisse. Am Sonntag am Fußballplatz stehen und dem Sohn bei seinem Ligaspiel zusehen. Da gewesen sein. Vielleicht können Menschen ohnehin nur rückblickend glücklich gewesen sein, im Erinnern. Oder vorausschauend, in der Vorfreude, im Aufbrechen. Wichtig seien Räume, in denen der Mensch sich noch als Handelnder wahrnehmen kann, sagt der Soziologe Hartmut Rosa.


Great things never came from comfort zones


"Ihr findet kein Glück da draußen", sagt der Zen-Lehrer Hinnerk Polenski, "das Glück ist in Euch selber". "Ob wir unser Leben als gelungen empfinden, hängt davon ab, wie sehr wir uns mit der Welt verbunden fühlen", sagt der Soziologe Hartmut Rosa in seinem Buch "Resonanz". Ein Schreibtisch eignet sich allerdings nur sehr eingeschränkt dafür (Abwandlung eines berühmten Zitats von John le Carré). Ein Bildschirm erst recht nicht. Hast du jemals den Wald, die Bäume, alle Pflanzen in dir gefühlt? Eine tiefe Verbundenheit mit der Welt körperlich gespürt?


Leicht zu übersehen: Abenteuer beschränken sich keineswegs auf Outdoor. Wirtschaft ist auch ein Abenteuer. Und was für eins! Was die Menschheit gerade mit KI erlebt, ist vermutlich ihr größtes Abenteuer überhaupt.


Der Unterschied zwischen dem, was wahr ist und was sich nur wahr anfühlt, geht verloren


Meine Profilbilder da oben sehen genau aus wie ich. Aber das bin nicht ich. Auch aus einer optischen Kamera wären es auch nur Abbilder (mit deren Trughaftigkeit hat sich bereits 1929 der junge Rene Magritte auseinandergesetzt, einer der Pioniere des Surrealismus: Ceci n'est pas une pipe). Es handelt sich um maschinengenerierte Avatare oder Deep Fakes. Für das Training der eingesetzten KI reichten eine Handvoll Fotos. Auch wenn genaueres Hinsehen noch etliche Fehler zeigt - wer die Bilder mit dem lebenden Original vergleicht, wird denken: holy crap! Finde ich das noch faszinierend oder schon furchterregend? Zieht uns der Surrealismus des 21st Century gerade den Boden unter den Füßen weg? Beginnen die Werkzeuge, die wir geschaffen haben, uns nun selbst zu benutzen? ("First we shape our tools, and thereafter our tools shape us"). Das Internet wie wir es kennen, zerstört sich gerade selbst. Brillante Gedanken dazu z.B. aus dem Internet-Observatorium von Johannes Kuhn, vom Neurologen und Schriftsteller Erik Hoel oder vom Web-Pionier und Digitalvordenker Cory Doctorow. Wie KI gesellschaftlich wirkt (wie eine Code Injection, ein Trojaner, ein Virus), darüber habe ich mir hier ein paar Gedanken gemacht.


Um es auf den Punkt zu bringen: Menschen überall auf der Welt entscheiden gerade ganz neu, was für sie "wahr" ist. Der Unterschied, zwischen dem, was wahr ist und dem, was sich nur wahr anfühlt, geht dabei zunehmend verloren. Johannes Kuhn zitiert einen Aufsatz von Jacqueline Fendt, emeritierte Professorin der ESCP in Paris: "In einer Post-Truth-Medienökologie zerfällt die Wahrnehmung der Wirklichkeit: Gruppen operieren mit inkompatiblen Realitätsmodellen (“epistemic fragmentation”), wobei Wahrheit gegenüber Zugehörigkeit und Gefühl an Gewicht verliert." Was dabei vor allem auf der Strecke bleibt: das Vertrauen.


Das Selbst verdankt sich immer einer Erzählung


Du definierst dich über die Erinnerungen, die du von dir selber akzeptierst. Vielleicht ist es deswegen so wichtig, Gedanken aufzuschreiben. Es erklärt auch, warum eine eigene Webseite so ganz ohne Verkaufs- und Reichweitenziele dennoch Sinn ergibt. Im Zeitalter der KI-Suchmaschinen kannst du den Crawlern außerdem  "mitteilen", was sie über dich "wissen" - die eigene Webseite wird zum zentralen Instrument des Personal Branding für das KI-Zeitalter - obwohl sie kaum Reichweite mehr hat (👉 LLMO/GAIO). Aber wie gesagt: Aufschreiben klärt Gedanken, sortiert, hilft erinnern, bereichert. Früher oder später erfindet sich jeder eine Geschichte, die er für sein Leben hält.


Fahrräder und Outdoor-Sportarten sind meine Leidenschaft und mein Why,
Kommunikation mein Metier. Das ist mühsam geworden, wenn alle auf der Bühne stehen, verliert die Bühne ihren Sinn. Ich mache lieber. Ich biete reiche Marketing- und Kommunikationserfahrung (die jeweils nach kurzer Zeit nichts mehr wert ist), liebe digitale und technische Themen und habe Veränderung nie als Bedrohung empfunden. Sondern als Zeichen dafür, dass Zukunft gestaltbar ist. Was ist ein gutes Leben? Was ist gute Arbeit? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Kann Wirtschaft florieren, ohne den Planeten zu zerstören?

Mehr über meine berufliche Vita findest du auf meinem LinkedIn-Profil.


Falls du mehr über mich wissen möchtest: Lass uns irgendwo auf einen Kaffee treffen. Ein gutes Gespräch ist durch nichts zu ersetzen, heute noch weniger denn je zuvor.


Ach ja, ganz zum Schluss: Wie man leben soll (meine Geschichten auf dieser Website sind die bunten Steinchen zwischen dem Grau) 👇